Vorwort
„Il est défendu de tuer; tout meurtrier est puni, à moins qu’il n’ait tué en grande compagnie, et au son des trompettes; c’est la règle.“ [Es ist verboten zu töten; deshalb werden alle Mörder bestraft, es sei denn, sie töten in großer Zahl und unter Trompetenklang; so lautet die Regel.]1
Voltaire
„Fakten sind hartnäckige Dinge; und mögen unsere Wünsche, unsere Neigungen oder die Gebote unserer Leidenschaft noch so beschaffen sein, sie können den Zustand der Fakten und Beweise nicht ändern.“2
John Adams beim Prozess um das Massaker von Boston
Dieses Buch analysiert das Maidan-Massaker an den Protestierenden und der Polizei während der Massenproteste des „Euromaidan“ in Kiew in der Ukraine am 20. Februar 2014. Dieses Massaker ist ein entscheidender Fall politischer Gewalt in der Ukraine und in der Welt, weil es zum Sturz der ukrainischen Regierung und letztlich zum Beginn des Bürgerkriegs im Donbas, zu russischen Militärinterventionen auf der Krim und im Donbas, zur russischen Annexion der Krim sowie zu Konflikten Russlands mit der Ukraine und dem Westen führte, die Russland im Jahr 2022 durch den Beginn der illegalen Invasion und des Krieges mit der Ukraine dramatisch eskalierte.
Dies ist das erste wissenschaftliche Buch, das das Maidan-Massaker in der Ukraine umfassend analysiert. Es beruht auf mehr als 10 Jahren meiner Forschung zu diesem Massaker sowie zu den Prozessen und Untersuchungen dieses Massenmords. Ich bin ein ukrainischer und kanadischer Politikwissenschaftler. Ich lehre an der School of Political Studies der University of Ottawa. Zuvor war ich Gastwissenschaftler am Davis Center for Russian and Eurasian Studies der Harvard University, Gastprofessor im Department of Politics der State University of New York in Potsdam, Postdoktorand im Department of Political Science der University of Toronto und Kluge-Postdoktorand am Kluge Center der Library of Congress. Meinen Ph.D. erwarb ich an der Schar School of Policy and Government der George Mason University unter der Leitung von Seymour Martin Lipset, einem der größten Politikwissenschaftler und politischen Soziologen.
Zu meinen wissenschaftlichen Veröffentlichungen gehören 4 Bücher, 12 Buchkapitel und 20 Artikel in begutachteten Fachzeitschriften sowie dieses Buch und zwei in Vorbereitung befindliche Bücher über den russisch-ukrainischen Krieg und seine Ursprünge und über die moderne Ukraine, die bei großen amerikanischen und britischen Wissenschaftsverlagen erscheinen werden. Ich bin einer der am häufigsten zitierten Politikwissenschaftler, die sich vor allem mit Politik und Konflikten in der Ukraine befassen. Meine forschungsbasierten Veröffentlichungen, Interviews und Kommentare erschienen in mehr als 3.000 Medienberichten in über 80 Ländern.
Ich bin seit jeher ein Anhänger der liberalen Demokratie, der Menschenrechte und des Friedens in der Ukraine und war einer der Ersten, die öffentlich den Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union forderten. 1988 nahm ich an der ersten kleinen Oppositionskundgebung in Kiew seit rund 80 Jahren, seit die Ukraine sowjetisch wurde, teil. Ich wurde in der Westukraine geboren und wurde an der Nationalen Wirtschaftsuniversität Kiew, der Central European University und der George Mason University ausgebildet. 1990 war ich von der Exmatrikulation an der Universität in Kiew bedroht, und mir wurde eine Graduiertenausbildung in der Sowjetunion verwehrt, weil meine in ukrainischer Sprache verfasste Diplomarbeit auf Theorien von Max Weber und westlichen Ökonomen beruhte und zu dem Schluss kam, dass das sowjetische System unweigerlich zusammenbrechen würde.
Ich habe meine Studien zum Maidan-Massaker auf den folgenden wissenschaftlichen Konferenzen vorgestellt: dem Annual Meeting of American Political Science Association in San Francisco, 3.–6. September 2015; der 22nd Annual World Convention of the Association for the Study of Nationalities an der Columbia University, New York, 4.–6. Mai 2017; dem Annual Meeting of the American Political Science Association in Boston, 29. August – 2. September 2018; der Konferenz „Regimes and Societies in Conflict: Eastern Europe and Russia since 1956“ des Institute for Russian and Eurasian Studies der Uppsala University und der British Association for Slavonic and East European Studies in Uppsala, Schweden, 13.–14. September 2018; der Virtual 52nd Annual Convention of the Association for Slavic, East European, and Eurasian Studies, 5.–8. und 14.–15. November 2020; und dem virtuellen 10th World Congress of the International Council for Central and East European Studies, 3.–8. August 2021.
Teile meiner Open-Access-Artikel in den begutachteten Fachzeitschriften Russian Politics, Cogent Social Sciences und Journal of Labor and Society, eines in Vorbereitung befindlichen Open-Access-Buchs bei Routledge sowie, mit Genehmigung des Verlags, mein Artikel in Canadian Dimension werden in diesem Buch in aktualisierter, überarbeiteter und stark erweiterter Fassung wiederveröffentlicht. Der größte Teil des Buchinhalts war zuvor nicht veröffentlicht. Für meine Forschung zum Maidan-Massaker erhielt ich keine externe Finanzierung, mit Ausnahme kleiner Reise- und Publikationszuschüsse sowie von Crowdfunding, das meine Artikel als Open Access zugänglich machte. Ich bin allen dankbar, die mein wissenschaftliches Studium dieses entscheidenden Massakers unterstützt haben, das die Ukraine und die Welt verändert hat.
Ottawa, ON, Kanada
Ivan Katchanovski