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Der Praxiskommentar GG · 168 von 176

Art. 142 GG

Wortlaut
Ungeachtet der Vorschrift des Artikels 31 bleiben Bestimmungen der Landesverfassungen auch insoweit in Kraft, als sie in Übereinstimmung mit den Artikeln 1 bis 18 dieses Grundgesetzes Grundrechte gewährleisten.

Abschnitt des Gesetzes: Übergangs- und Schlußbestimmungen.

Grundlage: 39 Entscheidungen des Bestands nennen diese Norm, 6 wurden ausgewählt, 2 haben einen Rechtssatz zu ihr beigetragen. Zeitraum 2023–2026. Bestand: Abzug vom 28.09.2026. Zitierweise: Art. 142 GG Rn. …

Die Norm in Zahlen

Gemessen über den ganzen Bestand von 665.246 Entscheidungen, nicht über die Auswahl dieser Kommentierung.

Messwert Befund
Verbreitung 39 von 665.246 Entscheidungen des Bestands nennen Art. 142 GG — 0,01 %
Nennungen 68 insgesamt, also 1,7 je Entscheidung
Gerichte 17 verschiedene Gerichte haben die Norm angewandt
Zeitraum 1997 bis 2026
Verlauf 2014–2026 ▃▆▃▃▃▃▂▅▂█▂▂ — 2, 5, 2, 2, 2, 2, 1, 4, 1, 6, 1, 1 Entscheidungen je Jahr. Das Jahr 2026 ist unvollständig — der Bestand reicht bis zum 06.10.2026.
Instanzen BVerfG/EuGH: 9 (23 %) · Bundes- und Landesverfassungsgerichte: 14 (36 %) · Obergerichte: 7 (18 %) · erstinstanzliche Kollegialgerichte: 9 (23 %)

Inhaltsübersicht

  • A. Allgemeines — Rn. 1
    • I. Normzweck und Bedeutung — Rn. 1
      1. Entwicklung der Rechtsprechung — Rn. 2
      1. Systematische Stellung — Rn. 3
  • B. Begriffe des Wortlauts — Rn. 4
    • Ungeachtet — Rn. 5
    • Vorschrift — Rn. 6
    • Artikels — Rn. 7
    • Bestimmungen — Rn. 8
    • Landesverfassungen — Rn. 9
    • insoweit — Rn. 10
    • Kraft — Rn. 11
    • Übereinstimmung — Rn. 12
    • Grundgesetzes — Rn. 13
    • Grundrechte — Rn. 14
    • gewährleisten — Rn. 15
  • C. Art. 142 GG — Rn. 16
    • I. Tatbestand — Rn. 17
      1. Rechtsfolgen — Rn. 18
      1. Verfahren und Zuständigkeit — Rn. 19
      1. Konkurrenzen und Verhältnis zu anderen Normen — Rn. 20
    • V. Streitstand und offene Fragen — Rn. 21

A. Allgemeines

I. Normzweck und Bedeutung

1 Art. 142 GG wird in der dargestellten Rechtsprechung als Fortgeltungsanordnung für Grundrechte der Landesverfassungen verstanden, die deren Weitergeltung auf Bestimmungen beschränkt, die mit den Grundrechten und grundrechtsgleichen Gewährleistungen der Art. 1 bis 18 GG inhaltlich übereinstimmen [BVerfG, 24.08.2023 – 1 BvR 614/20; VerfGH Bayern, 21.05.2026 – Vf. 19-VII-17]. Die Vorschrift erhält damit parallele Landesgrundrechte aufrecht, verhindert aber zugleich, dass ein Landesgrundrecht über den bundesverfassungsrechtlichen Bestand hinausgehende Gewährleistungen beanspruchen kann [BVerfG, 24.08.2023 – 1 BvR 614/20]. Ihre Funktion besteht darin, die Bindung der Landesrichter nach Art. 20 Abs. 3 GG um die fortgeltenden parallelen Landesgrundrechte zu erweitern und zugleich den Vorrang des Bundesrechts nach Art. 31 GG bei Kollisionen mit einfachem Bundesrecht zu sichern [BVerfG, 24.08.2023 – 1 BvR 614/20].

II. Entwicklung der Rechtsprechung

2 2023 legt das Bundesverfassungsgericht mit [BVerfG, 24.08.2023 – 1 BvR 614/20] erstmals – in Anknüpfung an seine frühere Rechtsprechung – die Grundsätze zu Art. 142 GG fest: Die Norm ist eine auf Übereinstimmung mit dem Grundgesetz beschränkte Fortgeltungsanordnung; reicht der Regelungsgehalt eines parallelen Landesgrundrechts über den bundesverfassungsrechtlichen Bestand hinaus und kollidiert er mit einfachem Bundesrecht, greift Art. 31 GG ein, weil der Bundesgesetzgeber nur die Bundesverfassung zu beachten hat [BVerfG, 24.08.2023 – 1 BvR 614/20]. 2026 bestätigt der Bayerische Verfassungsgerichtshof diese Linie und wendet sie auf ein konkretes Landesgrundrecht an: Das in Art. 134 Abs. 2 BV verankerte Grundrecht der Privatschulfreiheit gilt gemäß Art. 142 GG fort, weil Art. 134 BV und Art. 7 Abs. 4 GG jedenfalls in Bezug auf private Ersatzschulen übereinstimmen [VerfGH Bayern, 21.05.2026 – Vf. 19-VII-17]. Eine Abweichung oder Weiterentwicklung gegenüber der vorherigen Rechtsprechung ist im Material nicht erkennbar.

III. Systematische Stellung

3 Art. 142 GG steht in unmittelbarem Zusammenhang mit Art. 31 GG: Fortgeltende inhaltsgleiche Landesgrundrechte können durch Art. 31 GG verdrängt werden, soweit ihr Regelungsgehalt mit einfachem Bundesrecht kollidiert, weil der Bundesgesetzgeber lediglich die Bundesverfassung zu beachten hat [BVerfG, 24.08.2023 – 1 BvR 614/20]. Zugleich ist die Norm mit Art. 20 Abs. 3 GG verbunden, da der Landesrichter neben den Grundrechten des Grundgesetzes auch die nach Art. 142 GG fortgeltenden parallelen Landesgrundrechte seiner Entscheidung zugrunde zu legen hat [BVerfG, 24.08.2023 – 1 BvR 614/20]. In der Anwendung wird Art. 142 GG regelmäßig im Verhältnis zu einzelnen Landesgrundrechten und den inhaltsgleichen Bundesgrundrechten geprüft: So wird die Übereinstimmung zwischen Art. 134 BV und Art. 7 Abs. 4 GG für die Privatschulfreiheit bejaht, wobei das Landesgrundrecht als Absage an ein staatliches Schul- und Bildungsmonopol verstanden wird [VerfGH Bayern, 21.05.2026 – Vf. 19-VII-17].

B. Begriffe des Wortlauts

4 Die Begriffe in der Reihenfolge des Wortlauts. Belegt aus 30 Stellen, davon 20 aus anderen Normen des GG — dort steht im Satz, woher die Auslegung stammt.

Ungeachtet

5 Ungeachtet bedeutet, dass die Fortgeltungsanordnung des Art. 142 GG trotz des Vorrangs von Bundesrecht nach Art. 31 GG zur Anwendung kommt [BGH, 02.07.2026 – 4 StR 235/25].

Vorschrift

6 Vorschrift ist eine gesetzliche Regelung oder Bestimmung; die Rechtsprechung verwendet den Begriff synonym für die einzelne Norm [BVerfG, 06.05.2008 – 2 BvR 337/08]. Der Begriff erfasst nicht den ehrenamtlichen Richter, wenn eine Vorschrift nur den hauptamtlichen Richter als Träger eines Schutzes benennt [BVerfG, 06.05.2008 – 2 BvR 337/08].

Artikels

7 Der Begriff bezieht sich auf die Artikel 1 bis 18 des Grundgesetzes, also den Grundrechtskatalog, mit dem die Landesverfassungsbestimmungen übereinstimmen müssen [VerfGH Bayern, 21.05.2026 – Vf. 19-VII-17].

Bestimmungen

8 Bestimmungen sind die einzelnen Regelungen oder Vorschriften in den Landesverfassungen [VerfGH Bayern, 21.05.2026 – Vf. 19-VII-17]. Der Begriff wird auch für einfachgesetzliche Vorschriften wie § 2 PostG verwendet [BVerfG, 16.12.2003 – 1 BvR 2312/97].

Landesverfassungen

9 Landesverfassungen sind die Verfassungen der Länder; Art. 142 GG betrifft deren Grundrechtsgewährleistungen [BVerfG, 24.08.2023 – 1 BvR 614/20]. Eine solche Landesverfassungsbestimmung ist etwa Art. 134 BV [VerfGH Bayern, 21.05.2026 – Vf. 19-VII-17].

insoweit

10 Insoweit bedeutet in dem Umfang, in dem die Voraussetzung erfüllt ist – hier die Übereinstimmung mit den Artikeln 1 bis 18 GG [VGH Bayern, 16.12.2025 – 19 B 24.1898]. Der Begriff wird in der Rechtsprechung als Bereichsangabe verwendet [BVerwG, 18.06.2020 – 2 WD 17/19].

Kraft

11 In Kraft bleiben bedeutet fortgelten; Art. 142 GG ist eine Fortgeltungsanordnung für landesverfassungsrechtliche Grundrechte [VerfGH Bayern, 21.05.2026 – Vf. 19-VII-17].

Übereinstimmung

12 Übereinstimmung meint inhaltliche Deckungsgleichheit mit den entsprechenden Grundrechten des Grundgesetzes [BVerfG, 24.08.2023 – 1 BvR 614/20]. Sie liegt etwa vor, wenn Art. 134 BV und Art. 7 Abs. 4 GG in Bezug auf private Ersatzschulen dieselbe Gewährleistung enthalten [VerfGH Bayern, 21.05.2026 – Vf. 19-VII-17].

Grundgesetzes

13 Das Grundgesetz ist die Verfassung des Bundes; Art. 142 GG verlangt die Übereinstimmung mit dessen Artikeln 1 bis 18 [VerfGH Bayern, 21.05.2026 – Vf. 19-VII-17].

Grundrechte

14 Grundrechte sind die in den Landesverfassungen gewährleisteten subjektiven Rechte, soweit sie den Grundrechten der Artikel 1 bis 18 GG entsprechen [BVerfG, 24.08.2023 – 1 BvR 614/20]. Beispielsweise ist das Grundrecht der Privatschulfreiheit aus Art. 134 Abs. 2 BV ein solches Landesgrundrecht [VerfGH Bayern, 21.05.2026 – Vf. 19-VII-17].

gewährleisten

15 Gewährleisten bedeutet ein Grundrecht einräumen und garantieren [BVerfG, 16.01.1957 – 1 BvR 253/56; BVerwG, 18.12.2025 – 8 B 6.25]. In Art. 142 GG ist gemeint, dass die Landesverfassung selbst das Grundrecht verbürgt [BVerfG, 24.08.2023 – 1 BvR 614/20].

C. Art. 142 GG

16 2 herangezogene Entscheidungen, davon 1 des Bundesverfassungsgerichts oder des EuGH (Rang 1).

I. Tatbestand

17 Art. 142 GG setzt voraus, dass die landesverfassungsrechtliche Bestimmung mit den Artikeln 1 bis 18 GG in Übereinstimmung steht; die Norm ist als eine auf Übereinstimmung mit dem Grundgesetz beschränkte Fortgeltungsanordnung zu verstehen, die eine inhaltliche Deckung der landesverfassungsrechtlichen Grundrechtsverbürgung mit dem Grundgesetz verlangt [BVerfG, 24.08.2023 – 1 BvR 614/20]. Für das in Art. 134 Abs. 2 BV verankerte Grundrecht der Privatschulfreiheit wurde diese Übereinstimmung mit Art. 7 Abs. 4 GG jedenfalls in Bezug auf die privaten Ersatzschulen bejaht, weil beide Bestimmungen die in Art. 147 Abs. 1 Satz 2 WRV angelegte Absage an ein staatliches Schul- und Bildungsmonopol festschreiben [VerfGH Bayern, 21.05.2026 – Vf. 19-VII-17].

II. Rechtsfolgen

18 Liegt die erforderliche Übereinstimmung vor, bleiben die Bestimmungen der Landesverfassungen als Grundrechtsgewährleistungen in Kraft [BVerfG, 24.08.2023 – 1 BvR 614/20]. Der Richter eines Landes hat neben den Grundrechten und grundrechtsgleichen Gewährleistungen des Grundgesetzes auch die nach Art. 142 GG fortgeltenden parallel verbürgten Verfassungsrechte der Landesverfassung zugrunde zu legen [BVerfG, 24.08.2023 – 1 BvR 614/20]. Konkret gilt das in Art. 134 Abs. 2 BV verankerte Grundrecht der Privatschulfreiheit gemäß Art. 142 GG fort [VerfGH Bayern, 21.05.2026 – Vf. 19-VII-17]. Die Fortgeltung ist auf den Umfang der Übereinstimmung mit dem Grundgesetz beschränkt [BVerfG, 24.08.2023 – 1 BvR 614/20].

III. Verfahren und Zuständigkeit

19 Hat der Richter eines Landes zu entscheiden, welche Grundrechte er zugrunde zu legen hat, kommen alle Grundrechte zum Tragen, an die er nach Art. 20 Abs. 3 GG gebunden ist, mithin auch die parallel verbürgten Verfassungsrechte der Landesverfassung [BVerfG, 24.08.2023 – 1 BvR 614/20]. Für inhaltsgleiche Landesgrundrechte ist eine mehrstufige Prüfung veranlasst, innerhalb derer das Landesverfassungsgericht bei seiner Auslegung des Grundgesetzes an die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts gebunden ist [BVerfG, 24.08.2023 – 1 BvR 614/20].

IV. Konkurrenzen und Verhältnis zu anderen Normen

20 Auch ein inhaltsgleiches Landesgrundrecht im Sinne des Art. 142 GG kann durch Art. 31 GG verdrängt werden, soweit sein Regelungsgehalt mit einfachem Bundesrecht kollidiert; reicht der Regelungsgehalt des parallelen Landesgrundrechts über den bundesverfassungsrechtlichen Bestand hinaus und gerät er mit einfachem Bundesrecht in Kollision, greift die Kollisionsnorm des Art. 31 GG ein [BVerfG, 24.08.2023 – 1 BvR 614/20]. Der Bundesgesetzgeber ist insoweit nur an die Bundesverfassung gebunden [BVerfG, 24.08.2023 – 1 BvR 614/20]. Die Entscheidung des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs setzt Art. 142 GG zu Art. 7 Abs. 4 GG in Beziehung, ohne eine Kollision mit einfachem Bundesrecht nach Art. 31 GG zu erörtern [VerfGH Bayern, 21.05.2026 – Vf. 19-VII-17].

V. Streitstand und offene Fragen

21 Beide Entscheidungen verstehen Art. 142 GG übereinstimmend als Fortgeltungsanordnung, die inhaltliche Übereinstimmung mit den Artikeln 1 bis 18 GG voraussetzt [BVerfG, 24.08.2023 – 1 BvR 614/20; VerfGH Bayern, 21.05.2026 – Vf. 19-VII-17]. Ein Widerspruch zwischen den Entscheidungen ist nicht ersichtlich; offene Fragen werden im herangezogenen Material nicht erörtert.

Zur Kommentierung herangezogene Entscheidungen

Diese Entscheidungen tragen die Kommentierung; sie sind ihr vollständiger Quellenbestand. Geordnet nach Rang des Gerichts (1 = BVerfG und EuGH, 2 = Bundesgerichte und Landesverfassungsgerichte, 3 und 4 = Ober- und Instanzgerichte), darin nach Datum.

  • BVerfG, 24.08.2023 – 1 BvR 614/20 · Rang 1 — Auslagenerstattung nach Erledigung. Das BVerfG erstattete die Auslagen nach Erledigung der Beschwerde gegen eine Geldstrafe wegen Volksverhetzung; Art. 142 GG stehe dem nicht entgegen.
  • VerfGH Bayern, 21.05.2026 – Vf. 19-VII-17 · Rang 2

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Maschinell erzeugt mit KI aus 665.246 Gerichtsentscheidungen · Verfahren und Herausgabe: Frank Kemper · nicht redigiert, keine Rechtsberatung

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