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Siegburgs Vergangenheit und Gegenwart · 8 von 21

VI. Kannosisation Annos und Siegburgs Kunstschätze

Abt Gerhard zeichnete sich nicht nur durch große Frömmigkeit und ein entschiedenes Vorgehen zur Wahrung der abteilichen Rechte aus, sondern wußte auch das Urteil des Bischofs Arnold von Wied zu rechtfertigen, welches dieser über den Feuereifer der Siegburger Mönche in der klösterlichen Zucht und Thätigkeit (1152) gefällt hatte (Lac. I, 374.). Kaiser Friedrich bekundete ihnen seine allerhöchste Zufriedenheit durch die Anerkennung ihrer hergebrachten Rechte und Privilegien und setzte unnachsichtliche Strafe darauf, so oft jemand sie in irgend einer Weise antasten oder mit frecher Absicht schädigen würde: 60 Schillinge für jeden Frevler innerhalb des Burgbanns und 300 Pfund Gold für jeden Herzog, Grafen, Markgrafen etc., für geistliche und weltliche Personen.

Der Streit um das Burgterrain von Blankenberg

Trotzdem wagten es die Grafen Heinrich und Eberhard von Sayn, auf dem abteilichen Terrain zu Blankenberg eine Burg anzulegen und sich gewaltsam in dem Besitze desselben zu erhalten. Engelbert von Berg erwies sich als schwacher Schirmherr, und der Kaiser war allzu viel in Italien beschäftigt, als daß er die Rechtsfrage hätte prüfen und demgemäß auch entscheiden können. In dieser Not wandte sich der Abt an Papst Lucius III. zu Rom, welcher den angefleheten Schutz annahm und die beiden Grafen mit dem Kirchenbann bedrohte. Allein diese kümmerten sich wenig darum und bauten unausgesetzt weiter.

Das Burgrecht der Abtei

Schließlich legte sich der Erzbischof Philipp von Heinsberg ins Mittel und brachte es mit Unterstützung Engelberts und anderer Herren zu einem Vergleiche, der dem unliebsamen Streite ein Ende machte. Abt und Konvent verzichteten auf ihre Ansprüche an das Terrain und erhielten dafür unbeschadet der Ansprüche Engelberts und seiner Nachfolger den ganzen Lauf der Sieg von der alten Brücke bei Wolsdorf aufwärts bis zum Einflusse der Rotenbach (also ein zweite Rotenbach, welche in die Sieg mündete) in dieselbe, ebenso den Mühlengraben nebst der Fischerei in diesen Gewässern zugesichert, so jedoch, daß den beiden Grafen, ihren Gemahlinnen und den Anwohnern des Flusses gestattet sein sollte, für sich selbst unter Umständen einen Fisch zu fangen. Das Flußbett sollte in dem alten Laufe erhalten und Uferbeschädigung durch Hochwasser auf gemeinsame Kosten ausgebessert werden.

Für die Höfe zu Menden und zu Kümpel wurden die Dienstleistungen und Abgaben festgesetzt und das Stadtrecht der Gemeinde Siegburg ohne Widerspruch anerkannt.

Kein Bürger sollte vor das Gericht der Grafen gestellt werden dürfen, aber jeder Provinziale oder Unterthan der beiden Herrn in Siegburg sein Recht suchen und sich mit dem Urteile der Schöffen zufrieden geben; wolle er appellieren, so könne dieses nach außen geschehen, und dann sollte jedes Gericht die Befugnis haben, ein rechtskräftiges Urteil zu fällen. Bei Körperverletzung oder Tötung eines Ministerialen oder sonstigen Unterthanen der Grafen durch Leute der Abtei sollten die Grafen nicht für sich allein die Bestrafung vornehmen, sondern in Übereinstimmung mit dem Abte und nach vorhergehender Aufforderung zur Schadloshaltung. Dasselbe sollte im umgekehrten Falle geschehen.

Würden Heiraten unter beiderseitigen Unterthanen geschlossen, so sollten die Kinder aus den Ehen geteilt werden und zwar so, daß das erste, dritte, fünfte, wenn die Mutter zur Familie der Abtei gehöre, dieser zufalle, das zweite, vierte, sechste u.s.w. den Grafen, jedoch nur die Knaben, nicht auch die Mädchen; im umgekehrten Falle sollte das Gegenteil stattfinden. Bräche Krieg zwischen den Sayner Herren und Engelbert aus, so sollten die Dienstleute und Güter des Abtes von Seiten der Grafen Ruhe und Frieden haben, mit Ausnahme, wenn sie die Waffen ergriffen und gegen die Herren aufständig würden; wenn sie zugefügte Schädigungen vergälten, so werde dadurch der Vertrag nicht gebrochen.

Innerhalb des Burgbannes und des Umfanges des Pleiser Hofes höre die gräfliche Gerichtsbarkeit auf; Friedensstörung, Körperverletzung, Zweikämpfe, Bestrafung von Dieben durch Gefangensetzung oder Aufhängen sei dem Abte und dem von ihm dazu Beauftragten vorbehalten, und der Schirmvogt nur im Notfalle herbeizuziehen.

Die Schöffen hätten je nachdem das Hofrecht oder das allgemeine deutsche Recht in Anwendung zu bringen und kein anderes.

Verhandelt und urkundlich festgestellt zu Neuß am 24. Dezember 1182.

Päpstlicher Schutzbrief

Der Schutzbrief des Papstes vom 11. November 1181 führt folgende Güter auf, welche die Abtei damals besaß: die beiden Agger, Hennef, Ober- und Niederpleis, Bergheim a. d. Sieg, Geistingen, Menden, Sieglar, Olm, Strälen, Weißkirchen, Hirzenach, Remagen, Tüddern, Zülpich, Millen, Fürstenberg nebst den dazu gehörigen ganzen partiellen Kirchen und Propsteien, Stockem, Beleke (in der Nähe von Arnsberg), Eschmar, Güls, Lay, Bendorf, Muffendorf, Flatten, Pier, Euenheim, Kirchscheid, Sülz, Meindorf, Dondorf, Mülldorf, Irmenroth (im Kirchspiel Asbach), Hofstäde (bei Datteln), Anröchte (im Kreise Lausberg· und Hof (im Kreise Altena), Quintinach (jetzt Carbach), Edelkirchen (ebenfalls im Kreise Altena), Widdau (im Lohmarer Walde), Sievenich, Entzen, Niester (bei Altenkirchen), Bracht, Overath, Winkenbach, Albach, Heisterschoß, Braschoß, Unkelbach, Braubach, Kriesdorf, Waldorf, Geislar, Füssenich, Kessenich, Venhausen, Spiel, Wolperath, Küdinghoven, Dahlhausen, Reinshagen, Ülpenich, Gymnich, endlich Geseke (bei Paderborn).

Die Verwaltung derselben kostete einen großen Apparat, und nicht wundern darf es, wenn trotz der größten Umsicht der Äbte vielleicht manches ins Schwanken geriet und dieses oder jenes dem Kloster entzogen wurde. Die Bauern insbesondere hatten einen harten Kopf und vergaßen leicht ihre Befugnisse.

Eine Wasserprobe

In Hemerde z. B. hatten sie 1152 die Gerechtsame der Abtei an dem dortigen Walde einfach ignoriert und ihn gänzlich abgetrieben. Die Schadloshaltung der Mönche schien ihnen lächerlich, man solle erst den Beweis der Zugehörigkeit bringen, erklärten sie. Erzbischof Arnold, der sich zufällig in Soest aufhielt, bekundete nun das Rechtsverhältnis der Abtei und forderte die Bauern auf, das Gegenteil zu beweisen. Man willigte in eine Wasserprobe ein, die aber einen ungünstigen Verlauf für die Einfältigen nahm. Bei ihr wurden nämlich die Angeklagten in einen Teich oder Fluß geworfen, und wenn sie an der Oberfläche blieben, als schuldig betrachtet, wenn sie untersanken, freigesprochen. Bei der Heißwasserprobe mußte der Betreffende mit bloßen Händen einen Gegenstand vom Boden des Gefäßes heben, ohne sich zu verbrennen. Zu solchen Experimenten mochte sich nun wohl nicht jeder mehr bereit finden, wenn er vor Gericht etwas zu thun hatte, aber sie kamen immerhin noch vor. Ein Zwang zu Ordalen scheint nicht mehr vorgelegen zu haben.

Annos Heiligsprechung

Gerhards größte Sorge beschäftigte sich um diese Zeit mit einem anderen Gegenstande, der ebenso sehr auch den übrigen Ordensgenossen am Herzen lag, das war die Selig- oder Heiligsprechung des Erzbischofs Anno, an dessen Grabe mancherlei Wunder, wie man glaubte, durch Gott geschehen waren. Es hatte sich der päpstliche Legat Kardinal Petrus von Tuskulum längere Zeit auf dem Siegberge aufgehalten und vieles von dem Leben und den großen Verdiensten des Verstorbenen um die Kirche gehört. Seine Seele mußte offenbar in den Himmel aufgenommen sein, sonst hätte seine Fürbitte keine Wunder wirken können. Er schlug deshalb dem Abte die Beantragung der Kanonisation Annos vor, und mit Empfehlungsschreiben vom Kaiser ausgerüstet, langte jener 1181 in Rom an, um dem Papste seine Bitte vorzutragen. Leider war Petrus Freund, Alexander, eben gestorben, und Lucius mit seinen Räten zeigte sich keineswegs entgegenkommend in der Sache, einmal weil die Briefe nicht an ihn gerichtet waren, sodann auch, weil jene behaupteten, „aus deutschem Lande pflegten nur Krieger nach Italien zu kommen, sie wunderten sich sehr, daß es dort auch Heilige geben könne.” Indes versprach der Papst doch, die Sache in Erwägung zu ziehen und bei nächster Gelegenheit mit dem Kaiser Rücksprache darüber zu nehmen, er werde ihm keinen Wunsch in dieser Angelegenheit abschlagen.

Am 24. Juni 1182 forderte er wirklich den Abt auf, abermals nach Rom zu kommen und Beweise für die Heiligkeit des Bischofs mitzubringen. Gerhard war nicht in der Lage, die Reise selbst antreten zu können, weil die Blankenberger Geschichte und anderes sein Verbleiben nötig machten. Deshalb unterzog sich der Domdechant von Köln der großen Mühe und begab sich mit Empfehlungsschreiben der rheinischen Bischöfe auf den Weg. Der Kanonisationsprozeß wurde eingeleitet, und die Autorisation zur Enthebung des Heiligen aus dem Grabe erteilt. Allein der Überbringer des Briefes starb unterwegs, und letzterer ging ganz verloren. Da erschienen im Frühjahr zwei päpstliche Gesandte am Rhein, um irgendwelche Geschäfte für den Papst zu besorgen, der Kardinal Johannes von Anagni und der Bischof Petrus von Lunag.

Der Domdechant Adolf und ein Priester Johannes Petrinus bezeugten ihnen die Absicht und bereits getroffene Entscheidung des heil. Vaters, und wie sie es selbst aus seinem Munde gehört hätten, daß er den oben erwähnten Brief abgesandt habe. Das genügte jenen, um sich nach Siegburg zu begeben und die Heiligsprechung auch ohne ausdrücklichen Befehl des Papstes dazu vorzunehmen. Die Verdienste und Wunder des Seligen wurden noch einmal vor ihren Richterstuhl gezogen und geprüft, und dann, nachdem man sich von der Heiligkeit des Bischofs überzeugt hatte, die Gebeine desselben am 29. April auf den Altar gehoben. Man wußte anfangs das Grab Annos nicht aufzufinden, weil fromme Scheu vor Entweihung, wie Zolner sich ausdrückt, dasselbe unkenntlich gemacht hatte; aber nach emsigem Suchen vom Mausoleum aus gelangte man endlich zu der wohlvermauerten Gruft und erkannte an dem Siegelringe, welchen Heinrich IV. einst dem lieben Freunde geschenkt hatte, sowie an zwei bleiernen Täfelchen mit der Inschrift:

„Hie requiescit Dominus Anno secundus, Coloniensis ecclesiae tricesimus tertius Archiepiscopus, huius Coenobii fundator devotissimus. Obiit vero pridie nonas Decembris – Anno ab incarnatione Domini Millesimo septuagesimo Quinto, Indictione tertia decima, anno Episcopatur sui vicesimo Primo. In hoc autem sepulero positus est tertio Idus Decembris regnante Rege Quarto Henerico” die Richtigkeit des gewünschten Fundes.

Man legte die Gebeine in eine Schrein und stellte sie auf den Altar. Der Kardinal Johannes las Hochamt „de uno confessore”, der andere Legat leitete den Chor, während der Feier verordneten sie nach vorhergehender Ansprache an das Volk im Namen des Papstes, daß dieser Tag als Festtag zu Ehren des heil. Anno begangen werden solle. Im römischen Martyrologium wird Anno auf den 4. Dezember erwähnt.

Charakterisierung desselben

Man kann über die Handlungen Annos als eines Staatsmannes und strengen Gebieters verschiedener Meinung sein, als Kirchenfürst und Ascet steht er auch bei denen in hohem Ansehen, die sonst allerlei Mängel an ihm auszusetzen haben. Giesebrecht behauptet von ihm in seiner Kaisergeschichte, daß er die gewohnten Pflichten seines bischöflichen Amtes nie versäumt, in erbaulicher Weise gepredigt und mit tiefster Devotion die heilige Messe gelesen habe, ja daß er sie mit unglaublicher Pracht zu halten pflegte, daß sein äußerer Lebenswandel unsträflich gewesen sei, und daß er selbst unter den Genüssen des Hoflebens sich keusch und nüchtern gehalten habe; und Voigt in seiner Geschichte Hildebrands schreibt: „Anno von Köln, den sein Biograph die Blüte und das Licht Deutschlands nennt, und in dessen Lob, wenn auch nicht alle, doch viele seiner Zeitgenossen einstimmen, der in Sachen der Kirche, in Hochachtung des Heiligen und in Verwaltung des Staatswesens sich gleiches Verdienst erworben und in allem ungemeine Klugheit und Erfahrung, wissenschaftlich gelehrte Bildung, einen durchaus unbescholtenen Lebenswandel und trefflichen Sinn gezeigt, der seine höchste Lust in Belehrung des Volkes fand, schied im Anfange des Dezembers 1075 aus der Umgebung der gegen ihn oft undankbaren Welt…. In der Tugend der Wahrhaftigkeit in Wort und That und in der Freimütigkeit zu sprechen, wie er dachte, war er ein schönes Bild unserer Väter; es galt ihm gleich, ob er vor Fürsten oder Kaisern stand oder zu Mönchen sprach. Weit berühmt war seine Freigebigkeit und Milde gegen die Armen, Pilgerime, Mönche und andere. Vom Worte Gottes sprach er klar und aufrichtig, mit bewunderungswürdiger Naturgabe. Wahre Frömmigkeit gab ihm Mut und Lust zu Werken, die nach dem Glauben Gott wohl gefielen.” Er war, wie das Annolied singt, „der vrumigste man, der in ci Rini biquam”.

Manche denken an Habsucht, die ihm Adam von Bremen vorgeworfen hat, weil keiner seiner Vorgänger das Erzbistum so vermehrt habe wie er, andere an die Bitterkeit seines Herzens den Kölner Bürgern gegenüber, welche ihn 1074 zur Flucht aus der Stadt nötigten, und wieder andere an die Behandlung der Schöffen wegen eines ungerechten Urteils über eine Witwe, indem er ihnen die Augen habe ausstechen lassen. Die sogenannten Greinköpfe, welche sie zum Andenken an den Urteilsspruch an ihren Häusern hätten anbringen müssen (Ennen: Geschichte Kölns, Volksausgabe 47), bezeugten noch die schreckliche That. Allein diese Erzählung taucht erst im 15. Jahrhundert auf, und das Märchen von den Greinköpfen widerlegt sich durch sich selbst, indem es Vorrichtungen zur Aufnahme von Schrotbäumen waren, wenn man Wein in den Keller schroten wollte. „Es gab, wie Ernst Weyden sagt, fast keine Straße, wo solche Köpfe nicht vorkamen, und wie groß hätte die Zahl der Geblendeten sein müssen, wären die Köpfe eine Erinnerung an das grausame Verfahren des Erzbischofs gewesen! Würden die Bürger der Stadt diese Schandzeichen nach Annos Tode nicht vernichtet haben (Das Siegthal)?

Die Gebeine Annos wurden (Translativ lib. IV. p. 107 im Düsseldorfer Staatsarchiv), wie es heißt, zunächst „über der Laube in der Kapelle des heiligen Nikolaus auf einer kostbaren seidenen Unterlage” dem Einflusse der Luft ausgesetzt, damit sie austrockneten, und dann in einem „prachtvollen, von Gold und Edelsteinen glänzenden Schreine” aufbewahrt. Ein Arm desselben und die Kasel wanderten nach St. Georg in Köln, ein Bein und eine Kinnbacke nach St. Maria zu den Staffeln, ein Teil des Bischofsstabes nach St. Pantaleon; der obere Teil des letzteren nebst seinem elfenbeinernen Kamme befinden sich noch in Siegburg. 1186 wurden auf Bitten des Erzbischofs Philipp noch mehrere Reliquien nach Grandmont bei Limoges in Frankreich entsandt, wieder andere nach Grafschaft in Westfalen und ebenso noch an andere Orte. Die Kölner holten die teueren Andenken im festlichen Zuge zu Schiffe ab und wurden auf der Abtei auf das großartigste bewirtet.

Die Abteikirche

Von der Abteikirche giebt uns Ägidius Müller in seinem Werke „Anno II. oder der Heilige” eine Beschreibung, die mehr Phantasie als beglaubigte Wahrheit zu sein scheint. Die jetzt noch vorhandene stammt aus dem 17. Jahrhundert und wurde 1667 vollendet. Die Krypta in ihrem älteren Teile besteht aus einem der Breite nach dreifach, der Länge nach siebenfach geteilten Querhause, dem sich nach Osten hin ein dreischiffiger Langbau anschließt. Dieser dürfte dem 12., jenes dem 11. Jahrhundert angehören. Die roh gebildeten Kreuzgewölbe entbehren der Gurtbögen und setzen auf Wandkonsolen auf, während in dem neueren Teile, dem Ostbaue, die Gewölbe vollständig ausgebildet sind, und sogar die Schildbögen an den Wänden nicht fehlen. Die Gurtbögen werden von regelrechten Wandpilastern aufgenommen und die Säulen sind verschiedenartig entwickelt. Die Kapitelle zeigen alle die Würfelform, weichen aber in ihrer Ausbildung wesentlich von einander ab; die Sockel entbehren der Eckblätter und zeigen in beiden Teilen ein der attischen Basis nachgebildetes Profil. So ungefähr Effmann in der Zeitschrift für christliche Kunst 1889 Nr. 10.

In die Krypta gelangte man zu beiden Seiten des Chores, das eine erhöhte Lage einnahm. Möglich ist es immerhin, daß die jetzige Abteikirche der alten nachgebildet ist, aber im einzelnen dürfte sie dem herrschenden Geschmacke der damaligen Zeit entsprechen. Das Portal war mit vier Säulen aus dem Kalksinter der römischen Wasserleitung in der Eifel geziert und verlor dieselben erst 1822, als die Irrenheilanstalt auf dem Berge eingerichtet wurde. Eine von ihnen zerbrach, zwei wurden zu Trägern am Balkone des Direktorialgebäudes verwandt, und eine wanderte nach Poppelsdorf ins Museum.

Reliquien und Reliquienschreine

Was nun die Reliquien betrifft, die nach und nach in der Abteikirche Aufnahme und gläubige Verehrung gefunden haben, so existiert darüber im Düsseldorfer Staatsarchiv ein Verzeichnis aus dem Jahre 1608, welches eine ungeheuere Menge derselben aufweist. Sie lagen teils in metallenen, teils in kleinen elfenbeinernen und steinernen Gefäßen, Monstranzen oder Büchsen, deren Kunstwert ein ganz verschiedener war.

Ich erwähne nur ein elfenbeinernes Kästchen mit dem Bildnis der heil.

Jungfrau, aus Alabaster geschnitzt, und ein zweites, minder niedliches, mit einem gestirnten blauen Belag im Innern ausgeschlagen. Ein ganz ähnliches Büchschen enthielt Reliquien von der hl. Klara, eine Monstranz mit dem Namenszuge Kobbenradt einen Dorn von der Krone Christi, wieder eine andere mit dem Bildnis der hl. Katharina Überbleibsel von der hl. Barbara, eine dritte und vierte Reliquien vom Pallium Annos und vom Benignus. Ein großer runder Kelch, äußerlich mit 7 Edelsteinen besetzt, zeigte Blutstropfen in vertrocknetem Zustande, eine silberne, zum Teil vergoldete Monstranz Haare der hl. Maria usw., usw.

Auch das schwarze, silberbeschlagene Trinkhorn Annos war noch zu sehen, ferner ein silber- und goldüberzogener Arm des hl. Apagitus, ein metallenes Haupt des hl. Vitalis und mancherlei anderes. Woher die Andenken alle bezogen worden sind, mag der Himmel wissen. Anno ließ am 26. Februar 1073 die Gebeine des hl. Benignus auf den Berg bringen und am 13. Mai, nach seiner vierten Reise nach Italien, die Reliquien des hl. Mauritius und Innocentius, welche er daselbst erworben hatte; 1394 folgten noch Überreste vom heiligen Apollinaris und vom St. Alexius, als ihnen zu Remagen große Gefahr drohte. Die meisten dieser Gegenstände bilden nunmehr den reichen Schatz der Siegburger Pfarrkirche, in welcher sie seit 1812 aufgestellt sind.

Staunen und Bewunderung erregen insbesondere die Reliquienschreine, deren es mehrere große und verschiedene kleine giebt, dazu noch zwei Tragaltäre von seltener Schönheit. Man kann nicht mit Bestimmtheit angeben, wann und wo sie angefertigt worden sind, aber wenn nicht alles täuscht und bis daß das Gegenteil bewiesen wird, dürfen wir annehmen, daß sie auf der Abtei selbst ihre Herstellung gefunden haben. Die Kunstfertigkeit der Mönche in anderen Klöstern ist berühmt, warum sollten nicht auch die Siegburger Herren fromme Künstler unter sich gehabt haben? Der Verfasser des Annoliedes ist jedenfalls auf dem Siegberge zu suchen, oder er hat dort seine Anweisungen bekommen; dieser sagt von dem Gefeierten:

„So dede imi got, also dir goldsmid dut,

So’r wirken willit eine nuischin gut:

Diz golt siudet her in eime viure,

Mit wehim werki dut her si tiure,

Mit wierin also cleinin.

Wole slift her die goltsteine,

Mit manigir slahtin gigerwa

Gewinnit er in die varina -

Also slif got seint’ Annin

Mit arbeidin maigin:

d. h. daß aber die große Ehre nicht verwirre seine Seele, so that ihm Gott, wie der Goldschmied thut, so er wirken will eine Spange gut: das Gold schmilzt er im Feuer, wohl schleift er die Edelsteine: also schliff Gott den hl. Anno mit mancher Müheseligkeit.”

Die Anwendung dieses Vergleiches findet eine um so leichtere Erklärung, wenn man annimmt, daß der Verfasser den mühesamen Steinschleifereien zugesehen oder sie vielleicht selbst mit getrieben hat. 1186 bezogen, wie schon gesagt, die Mönche in Grandmont Reliquien vom heil. Anno aus Siegburg. Sie brachten dieselben in einem schmelz gezierten kostbaren Schreine mit, der nicht nur die Bildnisse der hohen Geschenkgeber, des Abtes Gerhard und des Erzbischofs Philipp trug, sondern auch den Namenszug des deutschen Verfertigers des Kastens, des Bruders Reginald.

Wo lebte nun dieser Bruder Reginald, und woher hatte er die Bildnisse des Abtes und des Erzbischofs bezogen? Bucher in seiner Geschichte der technischen Künste sagt, daß in Frankreich bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts die Ausübung der Schmelzbereitungskunst bezeugt sei. Abt Suger von St. Denis habe 1144 Goldschmiede aus Lothringen kommen lassen und sie zur Herstellung von dergleichen Sachen verwandt. Aber auch Köln nennt er als einen Hauptsitz der betreffenden Kunst und meint, die Siegberger Reliquienschreine könnten wohl aus der Werkstatt eines gewissen Eilbertus hervorgegangen sein, dessen Name in der Geschichte genannt wird. Nun gut, wo bleibt denn aber „Bruder” Reginald, der offenbar ein Klosterbruder war? Merkwürdiger Weise findet sich auf dem Annoschreine der Küster Henerikus dargestellt, derselbe Herr, welcher gelegentlich eines Gewitters über Siegburg vom Abte Gerhard in die Stadt geschickt wurde, um durch Berührung der Erschlagenen mit Reliquien vom heil. Anno diese ins Leben zurückzurufen, was auch geschah. Sollte der gute Herr vielleicht eben deshalb zu der hohen Ehre ausersehen sein, neben dem Abte Gerhard auf dem Kasten im Bilde zu figuriren, oder war er etwa der Verfertiger des Schreines und Reginald sein Genosse? Es ist auffallend, daß in einzelnen Glasperlen so etwas wie Reliquium steckt, welches von Kunstkennern bisher unbeobachtet geblieben ist. Würde man nun wohl die heilig gehaltenen Gegenstände in die Hände von Laien gegeben haben, ohne darüber Sicherheit zu gewinnen, daß sie nicht verwechselt oder durch unechte ersetzt werden könnten? Alle Schwierigkeiten lösen sich am einfachsten durch die Annahme, daß die Abtei Künstler zu der Arbeit gestellt hat, und daß die Mönche von Grandmont, welche die Reliquien holten, auch den Schrein in Siegburg erworben haben, wofür sie natürlich Entschädigung bezahlen mußten.

Abbildung 4: Reliquienschreine

Betrachten wir nun unter der Führung von Gelenius, Sebastianus, Raimundus und Aus’m Werth (Letzterer in den „Kunstdenkmäler des christlichen Mittelalters in den Rheinlanden”, B. III, p. 21 u. f. Die übrigen 1. c.) die Kostbarkeiten, wie sie waren und zum größten Teil noch erhalten sind.

Der Annoschrein ist ein rechteckiger Sarkophag, 1,54 m lang, 0,43 cm breit und 0,57 cm hoch, mit Giebeldach, in romanischem Stile ausgeführt. Die Langseiten weisen je sechs Nischen auf, mit Dreibogen überwölbt und durch Säulchen mit emaillierten Schäften in verschiedenen Farben und Mustern getrennt. Die vergoldeten Basen sind mit Eckblättern geziert, und die schön ciselierten Kapitelle mit Tierornamenten und phantastischen Pflanzen geschmückt. Die inneren Bogenwölbungen überkleidet ein vergoldetes Silberband und enthält in den Nischen Inschriften in blauem Emaillegrund, die zu den jedesmaligen Statuetten paßten; diese, welche Sebastianus 1750 noch gesehen, sind leider nicht mehr vorhanden, ohne daß man angeben könnte, wann und wie sie verschwunden sind.

Vor Feinden waren die Schreine jedesmal geflüchtet und in Sicherheit gebracht. Vielleicht sind die Figuren zur Zeit des siebenjährigen Krieges oder des französischen Krieges von 1796 von den Mönchen abgehoben und als Bürgschaft für aufzunehmende Kontributionssummen hinterlegt worden, ohne daß sie später wieder eingelöst werden konnten. An den Schmalseiten des Kastens ist je eine Nische und diese deshalb größer als die an den Langseiten. Die Ecken zieren Pfeiler mit Filigranverzierung (Filigrane heißt feine Drahtarbeit), sind aber der Edelsteine beraubt. Die Dachseiten enthalten fünf Felder und ermangeln jetzt ebenfalls der bildlichen Darstellung, sogar teilweise der Inschriften. An der Vorderseite erblickt man das Bildnis des hl. Anno in Gold, umgeben von Engeln und in der Hand das Modell der Abteikirche tragend, darüber in verschiedenen Medaillons Gott-Vater in Halbfigur, in der Linken ein Buch haltend und mit der Rechten Segen spendend.

Die Inschrift lautet:

Alme pater patriae, plebem sacer Amno tuere,

Quosque foves membris, his fer opem meritis,

welches Sebastianus übersetzt:

Vater des Vaterlands, Anno! Dein Volk behüte,

Das Dein Gebein besitzt, dem zeig auch Hülf und Güte.

An der unteren Seite stand nach Gelenius der Erzengel Michael mit Zepter und Weltkugel, wahrscheinlich so, wie ihn das spätere Stadtwappen darstellt, und neben ihm kniete der genannte Küster Henerikus. Von den darüber befindlichen Medaillons enthielt das mittlere die Gottesmutter mit dem Jesuskindchen, die Seitenmedaillons verschiedene Engel. Sebastianus sagt, am Fuße des Kastens habe sich die heil. Jungfrau Maria zwischen Engeln befunden und darunter ein Geistlicher im Benediktinerhabit mit obigem Namen. Darüber standen die Worte:

Virgo salutaris, pelagi quoque stella vocata

(Nach Celenius: „pelagi quae stelle vocaris”),

Nos vice Materna protege vivifica,

zu deutsch: Jungfrau des Heils, auch Meeresstern genannt, schütze uns, Mutter, in belebender Weise. Die Inschrift über den Dreibogen lautet:

Signifer Etheriis, Michael, praelate choreis,

Exime nos morti, transfer ad alta poli:

Erhabener Bannerträger der himmlischen Chöre, Michael, entreiß uns dem Tode und trag uns hinüber zu den Höhen des Poles.

Über den Nischen an den Langseiten, in welchen die Bildnisse von sechs Kölner Erzbischöfen und eben so vielen Martyrern angebracht waren, standen den Figuren entsprechend die Verse:

Primus Agrippinae Materne texit ovile,

Inde Severinus nituit caeli quasi sidus.

Praesul Evergistus successit martyr opimus,

Praenitet insertus superis merito Cunibertus.

Martyrii laura micat ast Agilolfus ut auro,

Vera salus per se sfit Christicolis Heribertus,

d. i, sagt Sebastianus Raimund:

Maternus war der erst’, so dich, o Köln, geweidet,

Dem folgte Severin in klarem Himmelsstern.

Dem Evergisto ward die Martyrkron bereitet

Und Kunibert sein Licht verbreitet nah und fern

Mit Lorbeer Adgilolf als Martyrer thut prangen.

Durch Heriberts Gebet thut man viel Guts erlangen.

Links las man die Verse:

Exime Maurici de fauce tuos inimici,

Nos, Innocenti, virtute, tuere potenti.

Pro meritis digne nos audi sancta Benigne,

Nomine conspicuus Victor capit astra decorus.

Martyr Vitalis fert vitae commoda nobis,

En subit aetheream gaudens Demetrius aulam,

welche Sebastianus wieder folgendermaßen verdeutscht:

Mauriti, hör’ das Beten, thu’ uns vom Feind erretten,

Zeig’, Innocenti, an, was deine Fürbitt’ kann.

Benigne nach dem Namen, sei gütig uns zusammen,

Viktor, gecrönter Held im obern Himmelszelt,

Wollst mit Vitale geben viel Guts in diesem Leben,

Der Gnaden Überfluß erwerb Demetrius.

Nach Gelenius befanden sich auf den Dachseiten 5 Reliefs, welche das Leben Annos darstellen, seine Gründung Siegburgs, seine Wunder, Tod und Beisetzung. Auf dem fünften erschien Anno in der oben angegebenen Weise, umgeben von Engeln, und vor ihm, etwas tiefer, der Abt Berhard mit dem Küster Henerikus, also dieser zum zweiten Male, was offenbar viel sagen will.

Vor beiden las man die an Anno gerichteten Worte: „Memento congregationis tuae, quam possedisti ab initio”, welche jedem wohl bekannt sind.

„Von welcher vortrefflichen künstlerischen Arbeit die verloren gegangenen Statuetten der vorgenannten Heiligen gewesen sein müssen, sagt Aus’m Werth, erhellt aus den Halbfiguren, welche sich über den Nischen in den Bogenzwickeln noch befinden. Vor blau emaillirten, mit goldenen Arabesken durchzogenen, schildartigen Nischen, deren Ränder die bezeichnenden Namen tragen, erblickt man diese Halbfiguren sorgfältig gegossen in in meisterhafter Charakteristik ziseliert,”

und weiter:

„Zum vortrefflichsten Teile des ganzen Prachtschreines gehört der durchbrochene und nach dem Gusse vollendet ziselierte, mit 5 Knäufen bekrönte Kamm, der sich auf der Firste des Daches erhebt. Merkur und Sirenen, Affen und Drachen sind im stilvollsten Laubwerk ornamentisch verbunden und darüber der mittelste und die beiden äußeren Knäufe mit Emaille geschmückt, die beiden andern aus dem herrlichsten Filigran gebildet.” In der Anmerkung sagt er, selbst der Dreikönigenschrein zu Köln, ungeachtet er der größte und prächtigste aller ähnlichen sei, könne sich in der künstlerischen Vollendung z. B. der Apostelfiguren und des Kammes mit dem Annoschreine nicht messen.

Email ist die französische Form für das mittelalterlich lateinische smaltum oder esmaltum, zu deutsch Schmelz, von smelzan; es bedeutet ursprünglich Geschmolzenes aus Gold und Silber, sodann erst metallisches Glas; jetzt bezeichnet man damit den Glasfluß, d. h. die durch lösliche Oxyde gefärbte, leicht Glasmasse, auch Schmelzmalerei und endlich metallene Platten, Gefäße u.s.w. die mit Schmelzmalerei bedeckt sind. Es wurden mit einem Stichel Vertiefungen in das Metall gegraben, in welche das Schmelzglas gebettet werden sollte. Vergl. Bucher 1. c.

Der Benignusschrein ist etwas späteren Datums und zeigt schon vorgeschrittene Formen. Seine Länge beträgt ungefähr 1 Meter, die Breite 32 cm und die Höhe bis zur mittleren Knaufspitze 54 cm Die Giebel der Schmalseiten tragen Kämme, und die Bogenzwickel der Nischen füllen Filigrannetze mit Edelsteinen aus. An den Säulenbasen gewahrt man Eckblätter und auf dem Dachkamme polygon geschliffene Knäufe. Die Medaillons auf den Giebelflächen fehlen. An der vorderen Seite waren die Bildnisse des hl. Laurentius und Vincentius angebracht und in ihrer Mitte das des hl. Benignus; am Fuße der hinteren Seite der Erzengel Michael, wie er des Drachens unter seinen Füßen Meister wird. Die Inschrift ist zerstört. An den Langseiten befanden sich den Inschriften gemäß St. Pantaleon, Sebastianus, Quirinus, Servatius, der Bischof Dionysius und Agapitus, an der andern St. Anno, Erasmus, Georgius, Eustachius und Papst Nikolaus.

Die Reliquien des hl. Benignus soll Anno von einem Verwandten namens Remgerus, der Abt zu St. Viti Zell in Ellwangen war, erhalten haben und dieser von einem Herzog aus Burgund, dessen Name leider nicht genannt ist. Er selbst und Erpho hätten die Heiligtümer, so wird erzählt, auf ihren Schultern aus der Siegburger Pfarrkirche, wo sie zuerst nieder gesetzt worden wären, am folgenden Morgen in feierlicher Prozession auf den Berg gebracht, und ersterer vor der Aufstellung der Gebeine auf den Altare eine Lobrede auf den Heiligen gehalten. Nach Gelenius befanden sich in seinem Schreine auch noch die meisten Reliquien des hl. Winibald eines Bruders der berühmten Walburgis, welcher mit Willibrod um 78 aus England nach Utrecht kam und später in den Benediktinerorden eintrat.

Ein dritter Schrein enthält die Gebeine beziehungsweise Überreste derselben vom hl. Mauritius und Innocentius, zweier Martyrer der thebaischen Legion. Sie kamen nach den Magdeburger Jahrbüchern ad an. 961 und 969 unter Kaiser Otto I. in die große Elbestadt, nach Sebastianus Forschungen aber durch die Schenkung der Markgräfin Adelhaid von Savoyen in den Besitz Annos, als er im vierten Jahre nach der Gründung der Abtei eine Reise nach Italien angetreten hatte. Sie sind eingewickelt in einen roten, mit eingewebten Tiergestalten verzierten Seidenstoff und in weißes Leinen, auf welchem ebenfalls phantastische Tiere und Ornamente, aber eingestickt, sind. Der Schrein ist 1,49 in lang und zeigt an der vorderen Seite, d. h. an dem Kopfende, das Bildnis Christi zwischen den Gestalten der beiden Heiligen mit der Unterschrift:
En, rex justorum via g….a palma suorum,
Siehe, der König ist der Weg, der Ruhm und die Palme seiner Gerechten, und an dem Fußende die Statuetten der heil. Jungfrau, des Erzengels Michael und des heil. Anno, über denen in blauer Emaille im Bogenrande die noch vorhandenen Worte stehen:
Vita per hunc regnat, quem virgo puerpera gestat,

vonn Sebastianus in seiner originellen Weise übersetzt:
Durch diesen wird der Welt das Leben beygebracht,
Den hier auf keuschem Schooß die reine Jungfrau tragt.

Die Muttergottes hat demnach eine sitzende Stellung gehabt.

In den 12 Abteilungen der Langseiten befanden sich die Bildnisse der Apostel mit beigesetzten Versen, oben:
Hi reparandorum lux ac proceres populorum,

Pro patribus nati Christo mediante Creati,
Vincla relaxanti ius et meruere ligandi, d. h. sagt obiger Übersetzer:
Diese seyend’s clare Licht und Oberherrn der Erden,
So Christi Gnad und Lieb der Welt gebohren hat,
Die schwehre Sünden-Bänd durch sie gelöset werden,
Auch öffters mehr bestrickt nach Maaß und Missethat;

auf der linken Seite:
Nomen habent clarum de fructibus ecclesiarum,
Qui duce Messia superarunt prelia dira,
Spe fidei fortis spreto diserimine mortis, d. h.:
Die Früchten, so die Kirch durch sie zusammentraget,
Thun ihres Nahmens Lob vermehren weit und breit,
Sie haben sich im Kampff mit Christo kühn gewaget,
Und durch des Glaubens Krafft kein Pein noch Todt gescheut;

unten: Reddit honorifieus domini confessus amicos,
Arbitrio quorum stant pondera judiciorum,

Qui elaudant regnum verbo reserentque supernum, oder zu zur

deutsch: Zur größten Ehren-Stell seynd sie vom Herrn erhöohet,

Und auff zwölf Richterstühl zu dessen Seith geseht.

Der Himmel sampt der Erd auff ihren Außspruch gehet,

Was zu und auffzuthun, von ihnen wird geschätzt.

Links: His in pace stola inm nitet una trophaei,

Altera reddetur, ubi vita mors aboletur,

Subveniat mundo pietas horum gemebundo, d. h.

Das Kleyd der Herrlichkeit, womit sie seynd umbgeben,

Die über’s Glaubens-Feind so gloreich triumphirt,

Wird glänzen mehr und mehr dort in dem ewigen Leben,

Ach! daß dir armen Welt durch sie geholffen würd.

Auf den Dachseiten erblickte man die Bilder der Propheten, wahrscheinlich in getriebener Arbeit „mit unterschiedlichen Bibelsprüchen, wie Sebastianus sagt, so man der Kürtze halber übergehet.”

Ein eigenartiger Schrein ist die sogenannte arga minor quadrata von vergoldetem Silber und Kupfer, 29 mal 21 cm im Geviert und 42 cm hoch. Er ist stark beschädigt und an der hinteren Seite durch Messingblech hergestellt. Vorn fehlt die mittlere, größte Figur des thronenden Heilandes, um welchen sich in Nischen die noch vorhandenen Apostel in getriebenem Silber gruppierten. Auch die Dachfläche ist so ersetzt und durch aufgesetzte Emailleplatten verziert. Nach Aus’m Werth verrät der obere Dachhelm nebst den Messingkämmen auf den 4 Dachkanten einen späteren Ursprung. Die offenen Arkaden auf der rechten Seite gewähren einen Einblick in das Innere und legen den Gedanken nahe, daß dieser Schrein eine Art Ciborium gewesen ist, zumal die noch vorhandene Inschrift lautet:

Hostia vitalis qualis fuit in cruce talis,

Sub fidei tutela clar ….est in hoc loculo.

Jetzt ist er mit Reliquien gefüllt.

Vielleicht das älteste Kunstwerk unter den ehemaligen Schätzen de Abteikirche ist ein vordem auf Metallfüßen ruhender, jetzt abgerissene Tragaltar des hl. Mauritius (Auf’m Werth 1. c.), ungefähr 0,5 m lang und 0,31 m breit, oben mit einer Prophyrplatte versehen und ringsum mit vergoldeten und gravierten bildlichen Darstellungen in Emaillegrund geziert. Auf dem Boden befindet sich ein kleiner Pergamentstreifen mit der Inschrift Hoc vere altare est S. Mauritii Martyris et gloriosi ducis, links Kreuzigung Christi mit symbolischen Bildern von Sonne und Mond darüber der heilige Geist nebst Gott-Vater unter Engeln, darunter Gekreuzigte im Grabe stehend; rechts die drei Marien am Grabe des Auferstandenen, unter ihnen die Himmelfahrt, über ihnen die Begegnung Mariä mit dem Herrn. Die prachtvollen Emaillierungen in den verschiedensten Farben zu beschreiben, geht nicht an. Deckel und Sockel sind in ihrem senkrechten Teile mit glattem vergoldetem Kupferblech bekleidet und auf den nach innen springenden Schrägen von getriebenen und vergoldeten Ornamentbändern bedeckt. Die Reliquien in denselben sind zahlreich.

Der Tragaltar des h. Gregorius ist ein Kasten aus Holz mit emaillierter und vergoldeter Kupferbekleidung, auf dessen Mitte in der oberen Fläche ein grüner Stein (Syenit), von acht Darstellungen aus der Lebensgeschichte des Heilandes umgeben, ruht. Am äußeren Rande der Platte liest man die Verse:

Quicquid in altari tractatur materiali,

Cordis in altari completur spirituali.

Hostia visibilis mactatur operta figura,

Immolat hanc pura devotio mentis in ara,

und am inneren Rande:

Ara erucis Cristi mense communicat isti,

Hac et enim vite sacratur victima vit(a)e.

In qua struetura virtutem non ruitura Ponitur,

hae domino digna domus struitur.

Die 4 aufrechtstehenden Wände zeigen 16 Propheten in grün emailliertem Hintergrunde durch vergoldete Säulchen getrennt. Die Ecken des Bodens bilden vier in Kupfer gegossene, vergoldete Bestien. Aus’m Werth sieht die Anfertigung des Kastens in die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts.

Ein kleiner Schrein ist der des h. Honoratus, 63 cm lang, 7 breit und 50 hoch. Er weicht von den übrigen durch die Konstruktion der Dachgiebeln ab und zeigte in der Mitte der Dreilage der Vorderseite das Bildnis des Heiligen zwischen dem h. Quirinus und Paneratius mit untergesetztem Namen, an der Rückseite die Jungfrau Maria zwischen der h. Balbina und Katharina. Zu beiden Seiten füllten die Gestalten der Aposteln die Flächen aus, oben Darstellungen aus dem Leben Christi.

De Kamm trägt fünf Knäufe aus Bergkrystall.

Der Schrein der seligen, immer ruhmwürdigen Jungfrau Maria, Mutter Gottes, sowie die beiden hölzernen Schreine der Mauren und der Schrein des Bischofs Heribert mögen hier nur erwähnt werden.

Der Schrein des h. Andreas ruhte ehemals auf Metallfüßen und ist mit vergoldeten und emaillierten Kupferplatten belegt. „Die vier Seiten zeigen in blauem Emaillegrunde und vergoldeten, farbig eingeriebenen Gravuren folgende Darstellungen: an der Vorderseite das Abendmahl mit zwei hinzutretenden Engeln, welche durch emporgehaltene Feuertöpfe gleichsam die Nacht erhellen; an der Rückseite in sitzenden Figuren Christus mit acht nicht näher bezeichneten Heiligen; an den Schmalseiten links fünf sitzende Heilige mit unbeschriebenen Spruchbändern, rechts Maria mit dem Kinde, auf einem an den Füßen mit Tierkrallen, am Sitze mit Tierköpfen verzierten Stuhle thronend, und vier unbezeichnete Heilige (Aus’m Werth 1. c.). Der Deckel enthält einen reichen, durch verworrene und fehlerhaft geschriebene Schriftbänder abgeteilten Darstellungscyclus, jede Abteilung einen bald helleren bald dunkleren Hintergrund in grüner oder blauer Farbe.

Das letzte und wohl auch das zuletzt angefertigte von den großen Siegburger Reliquiarien ist der Schrein des h. Apollinaris. Der Minorit Sebastianus berichtet von ihm, daß er im Jahre 1394 aus besonderer Andacht gegen jenen Heiligen und St. Alexius hergestellt worden sei und sich durch seinen Glanz und seine große Zierlichkeit vor den übrigen auszeichne. Allein in demselben liegt ein Pergamentblatt mit Bemerkung, daß Abt Pelegrin von Drachenfels die Gebeine des h. Apollinaris nach Siegburg gebracht und Abt Wilhelm Spies von Büllesheim die selben „huic nove capse”, von der Hand eines Magister Hermann von Aldendorp verfertigt, anvertraut habe.

(Ersterer regierte 1388 – 1417, letzterer 1420 – 1461)

Diese letztere Mitteilung ist von großer Wichtigkeit und charakterisiert den Urheber als den besser unterrichteten Gewährsmann. Der Schrein ist mit vergoldeten Kupferplatten bekleidet und zeigte ehemals in seinen jetzt leeren Nischen: an dem Kopfende den h. Bischof Apollinaris und Alexius, letzteren in Pilgrimsgestalt, hinten einen knienden Abt, der etwa Spies von Büllesheim darstellen sollte in der Hand trug dieser einen „Zettel” mit den Worten: miserere mei deus. Über ihm erblickte man den Heiland, der Jungfrau Maria den Segen spendend, zu beiden Seiten des Schreines: mitten rechts einen Bischof, den Sebastianus für den h. Anno hält, links einen Abt, der seiner Meinung nach wohl St. Benedikt gewesen sein dürfte. Inschriften fanden sich auf dem Schreine nicht vor.

Anno, Patron der Stadt

Es war am Laurentiustage nachmittags 4 Uhr, als ein furchtbares Gewitter über Siegburg hing und fünf Leute in ihrem Hause durch einen Blitzstrahl erschlagen wurden. Der Küster Heuerikus eilte vom Berg herbei, die Getroffenen mit Reliquien vom h. Anno zu berühren, und siehe, alsbald schlugen dieselben ihre Augen wieder auf. Die umstehende Menge lobte und pries den Herrn, der ein neues Wunder durch Anno gewirkt habe, und am Mariähimmelfahrtstage, als die Gelähmten zu neuer Kraft erstarkt waren, pilgerte die ganze Bürgerschaft mit ihnen den Berg hinan, dem Retter aus der Not eine fünfpfündige Kerze darzubringen. Alle empfingen die heilige Kommunion und wohnten andächtig dem Gottesdienste bei, und nachdem der Pfarrer eine Ansprache an die Gemeinde gehalten, wurde Siegburg feierlich unter den Schutz Annos gestellt. Die Schöffen nahmen sein Bildnis in ihr Siegel auf, und die Stadt erhielt nunmehr auch wohl ein eigenes, während sie früher das abteiliche Siegel mit hatte benutzen müssen, denn Stadt und Abtei gehörten eng zusammen.

Älteste Siegel der Abtei, der Stadt und des Gerichtes etc

Das abteiliche Siegel ist von ovaler Gestalt, 8 cm hoch und 6 cm breit. Es stellt in seinem Felde den Erzengel Michael dar, wie er dem Drachen unter seinen Füßen die Lanze in den Rachen stößt. Die Kleidung des Engels entspricht dem Anzuge der damaligen Zeit: ein langes in Falten herabwallendes Kleid, durch einen Gürtel über den Hüften zusammengezogen, und um die Schultern ein breiter, glatter Mantelkragen, der vorn durch einen Agraffenknopf zusammengehalten wird. Die Umschrift des Siegels lautet: „SCS MICHAEL SIBERGENSIU(m) PATRONU”.

Das städtische Siegel bekam eine kreisrunde Form, mit einem Durchmesser von nahezu 5 cm. Es zeigte oben die von vier Türmen flankierte Abteilkirche mit einem fünften Turme auf der Vierung, dessen Spitze unter einem Kreuz ausläuft, unten die Stadt, ohne daß sie besonders hervortritt. Um die Abtei zieht sich ein Mauering mit keinen Türmen ohne Spitzdach, während die Stadt selbst in ihrer Ringmauer 7 Thortürme mit Helmspitzen aufweist. Zwei unter ihnen zeichnen sich durch ein zweites Stockwerk aus, die übrigen haben gleich der Stadtmauer, d. h. vor dem Dachfuße, Zinnen. Auf dem höchsten Punkte des Siegels erblickt man eine Thorburg, wahrscheinlich zur Erinnerung daran, daß die Abtei auch das Burgrecht besitze. Der Abhang des Berges ist mit Felsen oder Buschwerk bedeckt. Die Inschrift des Siegels lautet: „SIGILLVM CIVITATIS SIBRERGENSIS” und ist in gothischen Zügen abgefaßt.

Auf dem Schöffensiegel steht Anno über Wolken, die Mitra auf dem Haupte und mit dem bischöflichen Gewande angethan. Ein Heiligenscheinring bekundet die hohe Würde, zu der er von der Kirche emporgehoben war. Zu beiden Seiten flattern Spruchbänder hier mit sanctus, dort mit Anno beschrieben. In der Linken hält er den Bischofsstab, in der Rechten das Stadtbild, so wie es auf dem Abteisiegel dargestellt ist. Das Ganze umschließen die Worte: „SIGILLUM SCABINORUM SIBERGENSI(um)“, die letzten beiden Buchstaben sind durch das Stadtbild verdeckt.

Mit dem 15. (?) Jahrhundert begegnet uns ein ganz anderes Stadtsiegel, das schon mehr veränderte Verhältnisse hindeutet, 8 cm hoch und 4,5 cm breit, oben und unten in eine Spitze auslaufend. Dasselbe führt in einem senkrecht sehenden Schilde den bergischen Löwen in fast drachenähnlicher Gestalt und läßt hinter dem Schilde den Erzengel Michael mit ausgebreiteten Flügeln hoch hervorragen. Auf seinem Haupte trägt derselbe ein Kreuz, in der Rechten hält er das Scepter oder ein Schwert (?) und in der Linken eine kreuzbestandene Kugel ähnlich dem Reichsapfel. Der Löwe trägt noch keine Krone, während er in allen späteren Siegeln gekrönt erscheint.

(Dieses Siegel befindet sich im Düsseldorfer Staatsarchiv noch an einer Urkunde von 1576, in Siegburg im Kirchenarchiv zuletzt 1522.)

Das Kapitelsiegel von 1673 stellt den Erzengel Michael über einen auf dem Rücken liegenden Drachen dar, welcher den Schweif wunderbar emporringelt und gewaltige Feuerflammen ausspeit. Dieser Michael trägt deutlich ein Schwert in der Hand und in der Linken einen oben gekreuzten Pilgerstab, dessen Fuß auf die Schnauze des Drachens gestellt ist. Die Umschrift in lateinischen Lettern lautet: „S. MICHAEL. PAT: CAPIT: SIEGBVRGENSIS – 1673”.

Abbildung 5: Siegel

Im Jahre 1558 ließ die Stadt wieder ein neues Stadtsiegel anfertigen, welches nicht weniger als 30 Mark kostete. In ihm ist der Schild kleeblattartig, oder besser gesagt, von einem Kleeblattbogen gebildet und von dem Ringe, welcher die Umschrift umschließt, unten abgeschnitten. Diese lautete: „S. SIBRI…. ENSIS”, eine seltsame Abkürzung von Sigbergensis. Der bergische Löwe hat noch einen einfachen Schwanz, trägt eine Krone auf dem Kopfe und hebt den linken Fuß waagerecht zur Ausführung eines Schlages auf. Der Erzengel Michael hält Scepter und Reichsapfel in den Händen.

Ein kleines Siegel von 1698 führt die Umschrift: „S. CIVIT: SIEGB.”, so daß also das ursprünglich kurze I Sigberg nunmehr lang erscheint, trotzdem der Flußname Sieg mit dem Worte Sieg von Siegen nichts zu schaffen hat. Eher dürfte er mit der Wurzel in „siccus, siccare”, zusammenhängen, weil bekanntlich der Siegfluß in seinem oberen Laufe sehr oft mehr sickert als fließt. Man denke auch an Sigambrer. Das neueste Stadtsiegel ist keineswegs sehr schön und verdiente durch ein besseres ersetzt zu werden. Damit möge über die Siegel Siegburgs genug gesagt sein.

Bevor Gerhard aus dem Leben schied, suchte er seinem heiligen noch die allgemeine Anerkennung zu verschaffen, wozu ihm Erzbischof Philipp von Köln auf dem Provinzialkonzile seine bereitwilligste Unterstützung lieh. Allein das Volk auf dem Lande mochte wohl schon der Feiertage genug haben, als daß es einem neuen Feste mit Freuden hätte entgegen können. Es verhielt sich zu den Wünschen der Geistlichkeit ziemlich kalt, und verehrte Anno nur eben da, wo zufällig Reliquien von ihm vorhanden waren. Seinen Nachfolgern schenkte Gerhard zu ihren Kammeinkünften ein Allodium zu Flatten und Hof in Dillingen und bestimmte für sich ein einfaches Jahrgedächtnis, wozu die Witwe eines gewissen Markward aus Siegburg, der den „Maierhof” in der Stadt gepachtet hatte, jährlich 12 Schillinge als ermäßigten Pachtzins beitragen sollte. Die Herabsetzung dieses letzteren scheint Gerhard nicht ohne Widerspruch der Ordensbrüder vorgenommen zu haben, da er bei der Überlassung des Gutes an die Witwe bemerkt, er thue das aus Mitleid mit der Familie derselben und kraft eines Rechtes, welches er dazu besitze. Die Mönche werden sich daher wohl in seine Anordnungen gefügt und, als er am 26. August 1185 starb, doch sein Andenken in würdiger Weise gefeiert haben.

Sein Nachfolger wurde Gerlach, ein Mönch von unbekannter Herkunft. Derselbe hatte sogleich schon das seltener werdende Glück, für das Kloster Siegberg den Hof Gottenhof zu Schwelm zum Geschenke zu erhalten, indem drei Brüder aus Hagen, dem Adelsstande angehörig, sich veranlaßt sahen, den ansehnlichen Hof für ihre und der Eltern Seelenruhe um Opfer zu bringen, Gerlach belehnte mit demselben einen Heinrich von Volmestein und kaufte für den jährlichen Ertrag von 38 Mark zwei ziemlich schöne Weingüter in Güls, die jedenfalls den Mönchen besser zu statten kamen. Umgekehrt machte es der Almosengeber Heinrich in dem Kloster. Dieser besaß in Wahlscheid ein Lehen, in Siegburg ein Höfchen, das ehemals dem Schullehrer Heinrich gehört hatte, und zu Güls ein Weingut, das sehr edlen Rebensaft eintrug. Er vermachte sämtliche Einkünfte aus denselben dem Hospitale in der Stadt und hatte so die Gewißheit „daß man auch seiner nach dem Tode noch gedenken werde. Der Abt Gerlach willigte freundlichst in das Vermächtnis ein.

Einverleibung der Kirchen Oberpleis und Zülpich

Die Einverleibung der Kirchen zu Oberpleis und Zülpich in das Kloster hängt wahrscheinlich mit der Thatsache zusammen, daß die Weltgeistlichkeit damals etwas zu wünschen übrig ließ, und die Gemeinden lieber von strenger gehaltenen Ordensleuten als von den nachgeborenen Söhnen der freien und des des Adels bedient werden wollten, die in den fetten Pfründen meist nur eine genußreiche Quelle für ihre Lebenslust erblickten. Der Erzbischof Bruno von Köln willigte unbedenklich in die angetragene Einverleibung der Kirchen ein, und Papst Honorius III. bestätigte sie 1192 resp. 1223.

Siegburgs Vergangenheit und Gegenwart
Rudolf Heinekamp (1897, gemeinfrei) · aus der Fraktur übertragen von Frank Kemper

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