VII. Schlußbelege
Es ist leicht zu begreifen, daß die wundersüchtige Menge dem alten Spielbähn tausend erlogene Prophezeihungen in den Mund legt, und die albernsten Sachen auf seine Rechnung schreibt.
Solche, blos auf der Sage beruhenden, unverbürgten Aussprüche, die sich in der Regel als müßige Erfindungen raffinirter Köpfe herausstellen, habe ich aber zu einer Veröffentlichung für ungeeignet und unwürdig gehalten. Hierzu zähle ich besonders die in jüngster Zeit auf Kosten des guten Bernard fabrizirte Prophezeihung:
„daß wir böse Zeiten erleben würden, wann Sieglahr einen Halfens-Pastor, einen Halfens-Richter und einen Halfens-Bürgermeister haben würde.“
Daß diese Hinstellung eine aus dem zufälligen Eintreffen dieses Ereignisses entsprungene, müßige Erfindung ist, beweist schon der Umstand, daß zu Zeiten „Bähns“ die Beamtenbenennung „Bürgermeister“ noch eine ganz unbekannte war. Ich muß bei dieser Gelegenheit nochmals auf die Erklärung zurückkommen: daß alle diejenigen Personen im Laufe der Zeit gestorben sind, welche in der Lage waren, von Bernard Prophezeihungen zu hören und im Gedächtnisse zu bewahren, außer der mit Referent befreundeten alten Frau zu B., dem Herrn A. B. zu C. und dem Herrn G. P. zu C.
Daß aber die Tradition bei Weitem den geringsten Theil des Inhaltes meines Manuscriptes gekannt hat, beweist schon die Thatsache, daß trotz aller Kniffe, deren man sich bei dem vielseitig versuchten Nachdrucke meiner Brochüre bedient, und trotz der bestehen den Preßfreiheit, die in meinen frühern Ausgaben fehlenden Verse: 22, 40, 83, 84, 85, 86 u. 87 nicht gebracht worden sind.
A.
Zu Vers 43 und 44 der Spielbähnschen Weissagung theile ich als Schlußbeleg folgende, von einem gewissen Jasper herrührende Prophezeihung mit, welche schon im Jahre 1846 in mehrere öffentliche Blätter überging.
Auszug aus dem „Westphälischen Merkur“ vom 12. Juli 1846, Beilage Nro. 166.
„In der neuesten Nummer des zu Recklinghausen erscheinenden Wochenblattes befindet sich die Nachricht einer merkwürdigen Prophezeihung in Betreff der Köln-Mindener-Eisenbahn.
In den Jahren 1828 — 1832, erzählt der Einsender des Artikels, stand ich in Diensten des Kammerherrn Freiherrn von Bodelschwingh-Plettenberg, als Verwalter der Oeconomie zu Bodelschwing. In dem nahe dabei gelegenen Dorfe Deininghausen wohnte ein gewisser Colon „Jasper,“ der mit prophetischem Geiste begabt sein wollte. Mit diesem alten, ehrwürdigen Manne traf ich eines Morgens im Wirthshause zu Bodelschwing zusammen, wo die Rede auf Voraussagungen kam.
Ich werde es nicht erleben, sagte Jasper im Laufe des Gesprächs, — allein Sie werden es noch erfahren? Von Westen nach Osten wird in unserm Staate eine große Heerstraße gebaut, die ihre Richtung durch die zum Gute Bodelschwing gehörigen Waldungen nehmen wird. Auf dieser Straße werden nur Wagen laufen, ohne mit Pferden bespannt zu sein, welche ein fürchterliches Gerassel verursachen. Mit dem Beginn der Arbeit an dieser Straße wird eine Theuerung entstehen, so daß die Arbeiter von ihren Arbeiten verschwinden müssen. Nach Vollendung der Arbeit und sobald die Straße fertig, wird ein blutiger Krieg entstehen, wobei er auf die Worte des Propheten Ezechiel 28. 23, hindeutete.
Noch lebende Zeugen können darthun, daß der Prophet Jasper ihnen in loeo die Richtung schon gezeigt, welche jetzt die Eisenbahn wirklich durch die Holzungen des Freiherrn von Bodelschwingh nimmt.
Ezech. 28. 23: Ich will die Pest wider sie senden, Blut vergießen auf ihre Gassen: es sollen hinstürzen die Erschlagenen in ihrer Mitte durch’s Schwert ringsum, daß man erfahre, daß ich der Herr bin.
[Wer würde hier nicht der jüngsten Straßenkämpfe von Paris, Wien, Berlin, Neapel, Madrid, Trier, Aachen u, a. sich erinnern?]
B.
Zu Vers 96 —99 führe ich noch folgende, sehr alte Weissagung über die Stadt Köln an:
Vaticinium de Urbe Colonia.
O felix Colonia! quando eris bene pavimentata, in proprio sanguine peribis. O Colonia! peribis ut Sodoma et Gomorrha. Plateae tuae manabunt sanguine, et reliquiae aufferentur a te. Vae tibi pinguis Colonia! quia alieni tui sugent ubera tua et pauperum tuorum, qui martyrisentur et annihilentur.
Haec reperit venerandus Dominus Magister Henricus de Iudaeis, Sacrarum Legum Doctor ac Pastor Martini minoris, Coloniae in conventu ordinis fratrum B. M. V. de Monte Carmelo, in quodam libro antiquo, et authentico illius Conventus, posterisque reliquit, quasi praesagium futurum.
Die deutsche Uebersetzung wäre diese:
„O glückliches Köln! wann du gut gepflastert sein wirst, wirst du in deinem eigenen Blute untergehen. O Köln, du wirst untergehen wie Sodoma und Gomorrha, deine Straßen werden von Blut fließen und deine Reliquien werden dir genommen werden. Wehe dir reiches Köln! weil deine Fremde deine Brüste aussaugen und die deiner Armen, welche durch dich gequält und vernichtet werden.“
Dieses fand der ehrwürdige Herr Heinrich von den Judden, Lehrer des Kirchenrechts und Pastor in Klein St. Martin, auf, in dem Convent der allerseligsten Jungfrau Maria, vom Berge Carmel zu Köln, in einem alten authentischen Buche jenes Convents, und hinterließ es der Nachwelt gleichsam als eine Vorhersagung für die Zukunft.
[Zwei alte Manuscripte dieser Prophezeihung befinden sich in Köln.]
Wer hätte wohl vor 80 bis 90 Jahren, oder gar zu Zeiten Heinrichs von den Judden, (ein sehr altes, kölnisches Geschlecht) der die Prophezeihung aus einem alten Buche geschrieben — an eine Umpflasterung von Köln gedacht, wie sie in den letzten 10 Jahren Statt gefunden?
C.
Zu Vers 100, 101 u. 102. Die Prophezeihung über die Endschlacht am Birkenbäumchen betreffend.
Im Jahre 1701 hat ein Mönch von Werl folgende Vorhersagung niedergeschrieben:
„Nach diesen Tagen wird eine unglückliche Zeit kommen, wie unser Erlöser sagt, es wird den Menschen auf Erden bange werden wegen bevorstehendem Unglück, welches kommen wird. Der Vater wird gegen den Sohn, der Bruder gegen den Bruder sein. Treue und Glauben werden nicht mehr zu finden sein. Nachdem einzelne Völker unter sich werden gekriegt, Throne zusammengestürzt und sich beinahe vertilgt haben, wird sich ganz Süden gegen den Norden bewaffnen. Dann wird man nicht mehr fragen nach Heimath und Glaube, man wird sich verbinden zu morden und zu streiten um die Oberherrschaft der Welt. Im Herzen von Deutschland wird man auf einander treffen: Städte und Dörfer werden in Schutthaufen verwandelt werden, so daß die Bewohner in die Gebirge und Wälder zu fliehen gezwungen sind; aber im untern Theil des Landes wird sich der schreckliche Kampf entscheiden.
Dort werden Heere sich lagern, wie sie niemals die Welt gesehen hat. Bei Birkenheim und Budbach wird die gräulichste der Schlachten ihren Anfang nehmen. O wehe meines armen Vaterlandes! Drei Tage wird man kämpfen, die Verwundeten werden untereinander zerfleischt: man wird bis über die Enkeln im blutigen Moraste waten; endlich werden die bärtigen Völker des Nordens den Sieg davon tragen. Die Feinde fliehen, werden aber am Flusse einen verzweifelten Widerstand leisten. Hier wird ihre Macht zermalmet und ihre Würde jämmerlich zerschmettert werden; kaum werden die übrig bleiben, welche Botschaft dieser unerhörten Niederlage überbringen können. Die Bewohner der Orte werden weinen, aber Gott wird sie trösten und sie werden sagen: Der Herr hat es gethan.“ — Anmerk.; Die kleine Bauerschaft Budbach liegt unweit Werl und Budderich, in der Nähe des bekannten Birkenbaumes. — Der Fluß, wo sich die Feinde zum letzten Male widersetzen werden, ist wahrscheinlich der Bach, welcher daselbst beim Schützenbroich zum Ringelbroich hinabfließt.
D.
Zu Vers 33, 34 u. 35, verdienen noch folgende, aus dem Jahre 1520 etwa stammenden Verse bemerkt zu werden, welche sich befinden:
Cfr. Hosp. S. M. in Capitolio in Designatione redituum praebendatarum in dorso ex Saeculo
16. – 1520 ?
„Wann der Freitag verloist syn Fast
und der Sonntag verwist syn Rast
und das Geld Kummerschaft wird
und daß der Bauer sich dem Adel gleich will Tragen
dann wird von Viel Wunder wissen zu sagen.“
E.
Ebenso merkwürdig ist folgende, aus dem Jahre 1622 stammende Prophezeihung, welche mit Angabe der Monate, das Jahr ihrer Zukunft jedoch nicht bestimmt; sie lautet:
„Der Monat Mai wird sich mit Ernst zum Kriege rüsten, aber es ist noch nicht Zeit. Der Monat Juni wird auch zum Kriege einladen, aber dann ist auch es noch nicht Zeit; der Juli wird erst grausam handeln, daß Viele von Weib und Kindern Abschied nehmen müssen. Im August wird man an allen Enden der Welt von Krieg hören. September und October werden ein großes Blutvergießen mit sich bringen. Im November wird man Wunderdinge sehen. Um diese Zeit ist das Kind 28 Jahre alt, dessen Säugamme von Morgen sein wird. Dieser wird große Dinge verrichten.“
F.
Weil hier die Jahreszahl fehlt, so dürfte die Mittheilung nachstehender, der Sage nach von dem mehrgenannten Propheten Benrodt herrührenden Weissagung hier nicht am unrechten Orte sein; sie lautet:
Wann wir schreiben: Möchte ich nicht sein:
1847 — — — — ein Apfelbaum;
1848 — — — — ein König;
1849 — — — — ein Soldat;
1850 — — — — ein Priester.
Schließlich bemerke ich, daß ich die Anführung resf. Ausschreibung von Namen und sonstigen auctores aus der Absicht vermieden habe, um gegen die schlechtdenkenden Nachdrucker meiner Brochure ein fortwährendes Instrument in Händen zu haben – daß aber auf portofreie Vorfragen jedem Interessenten von mir über die Quellen der vorstehenden Weissagung Auskunft gegeben, und Einsicht der Manuscripte gestattet werden wird.
Gott, der Lenker unserer Schicksale, möge das Büchlein leiten zum Besten der Menschheit, zum Segen der Völker und zur Verherrlichung seines hehren Namens. Amen.